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„Matzukaze“ – Gefeierte deutsche Erstaufführung einer NÖ-Oper

Autor: Horst Schinzel am 04.05.2015

Oper

(Von Horst Schinzel) - Der japanische Komponist Toshio Hosokawa (60) lebt seit fast vierzig Jahren in Berlin. Mit der deutschen Sprache und der europäischen Kultur ist er wohl vertraut. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Musik unserer Zeit. Mit der gefeierten Erstaufführung für den deutschsprachigen Raum seiner dritten – in Brüssel uraufgeführten – Oper „Matzukaze“ auf ein Textbuch von Hannah Dübgen nach einem Nö-Spiel von Zeami an diesem Sonnabend in der Kieler Oper hat sich dieser Ruf bekräftigt.

Foto: Olaf Struck

Das Nö-Spiel ist eine besondere Gattung des japanischen Theaters. In diesem Stück wird das Märchen zweiter armer Salzsiederinnen erzählt, an deren einsamen Strand sich ein Staatsbeamter und Dichter verirrt hat. Ihr Liebesrausch findet ein jähes Ende, als dieser Beamte in die Hauptstadt zurückbeordert wird, wo er erkrankt und stirbt. Ein Mönch bewundert auf seiner Pilgerfahrt einen Baum, an dem eine Tafel mit einem Gedicht dieses Beamten an dieses Geschehen erinnert. Im Schlaf erscheinen ihm die Salzsiederinnen und andere Geister. Als er erwacht, ist der Spuk verflogen.

Hosokawa verbindet sehr moderne Musikanwendungen mit jahrtausendealter japanischer Musiktradition. Heraus kommen aufregende Klangbilder, die hohe Anforderungen an Orchester, Solisten und Chor stellen. Schon der Aufklang ist betörend: Wassergeräusche, gezupfte Akkorde, japanische Windglocken und die Stimmen des Windes. Eine Spannung, die Hosukawas Musik 70 Minuten durchhält. Dies dank der großartigen sängerischen und darstellerischen Leistung der vier Solisten Lesia Mackowycz, Jihee Kim, Timo Riihonen und Christop Woo, des unter Masken singenden von Lam Tran Dinh einstudierten Chors, des die fremdartige Musik eindrucksvoll erarbeitenden Philharmonischen Orchesters und der musikalischen Leitung von Leo Siberski.

Zwar waren in Opernhaus diesmal nicht alle Plätze besetzt. Die gekommen waren, waren begeistert und feierten nicht zuletzt auch das Regieteam Matthias von Stegmann, Walter Schütze (minimalistische Ausstattung) und Martin Witzel (Lichtgestaltung) stürmisch und anhaltend. Hosokawa schreibt derzeit an einer weiteren Oper, die im Januar in der Hamburgischen Staatsoper uraufgeführt werden soll. Mann kann gespannt sein.

Weitere Aufführungen

13. Mai, 19.30 Uhr, 16. und 23. Mai, 20 Uhr


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