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Musiktheaterpremieren in Kiel und Lübeck

Autor: Horst Schinzel am 15.12.2014

Küchenoper

Von Horst Schinzel - Der russische Komponist Sergej Prokofjew hat in seinem 1938 uraufgeführten Ballett „Romeo und Julia“ den Shakespeare-Stoff aufgegriffen, die Geschichte aber doch im Wesentlichen tiefenpsychologisch bearbeitet. Die Feindschaft zwischen den veronesischen Adelsfamilien spielt hier keine Rolle mehr. Es geht um die innere Zerrissenheit der Handelnden in einer untergehenden Welt. Die reichhaltige Musik setzt dies vielschichtig um. Kiels – gar nicht einmal mehr so – neuer Ballettdirektor Yaroslav ivanenko weiß diese Tanztheaterschöpfung in dem minimalistischen Bühnenbild von Heiko Mönnich über 170 Minuten hinweg mit seiner jungen Truppe spannungsreich umzusetzen. An diesem Sonnabend hatte seine Produktion gefeierte Premiere.

Eine Premiere, in der die Herren der Kieler Truppe durch ihre Sprungkraft überzeugen, die Damen durch ihre liebevollen Spitzentänze. Ivanenkos großartige Idee, in das Personentableau eine „Frau in Weiß“ als Botin des Totenreichs und personifiziertes Schicksal einzufügen. Saya Komine – alle Rollen sind alternierend besetzt – setzt diese Idee Ihres Prinzipals überzeugend darstellerisch wie tänzerisch um. Als Julia gefällt die sehr junge Balkiya Zhamburchinova, als Romeo Almida Mordet Gonzales. Dass Julia den zappeligen Graf Paris des Nikolaos Doede nicht heiraten will, ist gewiss einleuchtend. Wieso allerdings die sehr distinguierte Gräfin Capulet der Victoria Lane Green dem finsteren Tybalt des Edward James Gottschall am Ende des Balls um den Hals fällt, ist nicht ganz nachzuvollziehen.

Leo Siberski lotet mit Kieler Philharmonikern die Schönheiten der Musik Prokofjews gründlich aus. Er sollte allerdings die Lautstärke dampfen. Über weite Strecken kommt es viel zu laut aus dem Graben.

Das Premierenpublikum ist sehr beeindruckt, geizt nicht mit Szenenbeifall und feiert am Schluss alle Beteiligten

Weitere Aufführungen

6. Januar, 1930 Uhr, 23. und 29. Januar 2015, 20 Uhr.

Foto Olaf Struck

In Lübeck hatte im Studio des Hauses an der Beckergrube die "Küchenoper" als Zusammenarbeit von Theater Lübeck und der Taschenoper Lübeck ihre Uraufführung. Frank Schwemmer und Margrit Dürr haben sich den Spaß ausgedacht. Sie stehen auch auf der Bühne und erhalten Unterstützung von der jungen Geigerin Cornelia Bach. Sie stellt quasi das Orchester dar.

Eine Küchenoper spielt natürlich in der Küche, und gleich nach ersten musikalischen Einlagen rollt Küchenelfe Cornelia das wichtigste Möbelstück herein: Einen weißen Herd mit Arbeitsflächen und Abstellregalen- auf- und zuklappbar. So kann Küchenchef Dr. Schmack sich verschanzen wie hinter einer Theke. Frank Schwemmer spielt und singt den Koch, der es überhaupt nicht leiden kann, wenn sich eine Maus bei ihm einfindet und etwas von seinen leckeren Gerichten abbekommen will.

Dieses Mäuschen aber ist die zweite Spielfigur: Margrit Dürr als stets hungriges Grautier mit langem Schwanz. Der Koch bleibt hart, stellt ihr Bedingungen beziehungsweise drei Aufgaben. Nur mit Hilfe der Kinder und einiger Erwachsener kann der Koch dazu gebracht werden, seinen Abscheu vor Mäusen zu überwinden.

Die beiden Darsteller spielen nicht nur. Sie singen von Zeit und Zeit -mit und ohne Kinder. Neben der Geige und den Stimmen wird auch Schlagwerk benötigt, und auch damit werden die Kinder spielend fertig. So macht es allen Spaß, ob groß oder klein. Am Schluss gab es sogar leckere Häppchen.

Das Ganze war eine Uraufführung, bei der auch Regisseur Sascha Mink sich Beifall abholen konnte. Die Musik hatte Carl Augustin einstudiert. Für die Bühne waren Katia Diegmann und Moritz Schmidt zuständig. Die Kostüme erdachten Katia Diegmann und Sascha Mink. Die Aufführung am heutigen Sonntag ist leider schon die letzte öffentliche.

Foto Lutz Rösler


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