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Das Literaturhaus Schleswig-Holstein war auch 2015 erfolgreich

Autor: Horst Schinzel am 09.01.2016

Literaturhaus

(Von Horst Schinzel) - Das Literaturhaus Schleswig-Holstein im Alten Botanischen Garten spricht eine eng begrenzte Klientel durchaus erfolgreich an. Für die Institution Literaturhaus schufen 2015 der leicht erhöhte Landeszuschuss von 138.000 Euro und der deutlich erhöhte Zuschuss der Landeshauptstadt Kiel von 15.000 Euro die Grundlage für eine geringfügige personelle Entlastung.

Geschäftsführer Dr. Wolfgang Sandfuchs – Foto Wir Kieler


Statt der bislang vergebenen projektbezogenen Mitarbeitsstelle für das „Europäische Festival des Debütromans“ konnte das auslaufende Volontariat von Frau Sara Dušanić probeweise in eine Teilzeitstelle überführt und dazu Frau Juliana Kálnay als neue Volontärin eingestellt werden. Der Versuch bewährte sich auch dank des großen Engagements aller Mitarbeiter. Die tägliche Arbeit wurde entlastet. und es entstand auch Spielraum, vor allem im Jungen Literaturhaus wieder Neues in Angriff zu nehmen. Auch finanziell ging der Versuch mit einem institutionellen Gesamtetat von ca. 174.00 Euro (2014: 168.000) auf. Unverzichtbar blieb dabei natürlich der hohe ehrenamtliche Einsatz des Freundeskreises des Literaturhauses und des Vereinsvorstands. Nur dieses umfangreiche personelle Netz ermöglicht letztlich den Betrieb des Hauses und die Fülle der Projektangebote.

Abendveranstaltungen im Literaturhaus in Kiel

Herausragendes Ereignis war aus unserer eigenen Sicht die Veranstaltung zum 25-jährigen Jubiläum des Trägervereins Literaturhaus Schleswig-Holstein. Aber auch ansonsten boten die Abendveranstaltungen 2015 ein sehr dichtes und auch sehr umfangreiches Lesungsprogramm, das mit einer Fülle unterschiedlichster Kooperenten (universitäten Seminaren, Auslandsvereinen, Stiftungen u.a.) ins Werk gesetzt wurde, fast exakt die angestrebte Drittelung zwischen schleswig-holsteinischen, weiteren deutschsprachigen und fremdsprachigen Autoren erreichte und auch im Vergleich zum Vorjahr der Lyrik wieder deutlich mehr Gewicht geben konnte.

Als Erzähler hatten eine kurze Anreise aus Schleswig-Holstein Hans-Ulrich Möhring, Christopher Ecker mit einer Lesung zur Verleihung des Hebbelpreises, Tobias Sommer, Michael Engler, Henning Schöttke, die Autoren der Literaturwerkstat im Literaturhaus, die eine Höranthologie vorstellten, sowie Ellin Nickelsen und Erk Petersen, die bei einem Abend zur neuen friesischen Literatur zu Gast waren. Als weitere deutschsprachige Autoren konnten wir Kristof Magnusson, Nino Hratischwili, Sherko Fatah, Michael Kleeberg, Steffen Kopetzky, Gila Lustiger, Yoko Tawada, David Wagner, Ralf Rothmann, Peter Wawerzinek, Karl-Heinz Ott und Hubertus Meyer-Burckhardt begrüßen. Und die fremdsprachigen Autoren, die u.a. aus Syrien, dem Iran, Litauen, China und der Ukraine stammten, waren Rosa Yassin Hassan, Péter Esterházy, Xifan Yang, Carsten Jensen, Luca Giordano in der Reihe LeggiIO, Alvydas Šlepikas, Auður Ava Ólafsdóttir, Amir Hassan Cheheltan, Andrej Kurkow, Maria Matios, Paula Bomer, Hallgrimur Helgason sowie Michel Houellebecq, dem ein Gesprächsabend gewidmet war, und der 1992 verstorbene Stefano D'Arrigo, dessen Meisterwerk „Horcynus Orca“ sein Übersetzer Moshe Kahn vorstellte.

Gleich mit Beginn des Jahres nahm die Reihe „Lyrik im Gespräch“ Fahrt auf mit einer spanischfranzösisch-deutschen Lesung dreier Dichter sowie einem Abend zu dem amerikanischen Dichter Tom Disch. Im Frühjahr präsentierten mit Heinrich Detering, Arne Rautenberg und Dirk von Petersdorff drei Schleswig-Holstein eng verbundene Dichter ihre neuen Lyrikbände, letzterer moderiert von Robert Habeck. Nach einem Pausenjahr kehrte im Herbst in Kiel wieder die Liliencron-Dozentur ein mit der außerordentlichen Stimme Monika Rincks. Außerdem gab Moritz Kirsch eineHommagelesung für seine zwei Jahre vorher verstorbene Mutter Sarah und am Ende des Jahres erinnerten Joachim Kalka und Joachim Kersten mit einem Liliencronabend an den Kieler Dichter.

Neben einigen mehr thematisch ausgerichteten Lesungsabenden mit Kooperationsveranstaltern waren im Programm auch wieder eine Prosawerkstatt für unbekanntere Autorinnen und Autoren aus Schleswig-Holstein in Kooperation mit dem Nordkolleg Rendsburg, diesmal unter Leitung von Martina Schmidt (Lektorin im Deuticke-Verlag) und die monatlichen Beratungen für Autoren und Übersetzer enthalten.

Sonderprojekte

Das dreizehnte Europäische Festival des Debütromans im Mai lief endlich einmal wieder fast regenfrei in einer sehr kommunikativ aufgeschlossenen und entspannten Atmosphäre ab. Ein Akzent wurde auf das Thema „Reisepläne für Romane“ gesetzt, unter dem Modelle und Wege der institutionellen Literaturvermittlung in Europa diskutiert wurden. Die zehn Festivalteilnehmer überzeugten 2015 mit qualitativ sehr guten literarischen Texten und vielfältigen Themen. Besonders augenfällig wurde, dass der Zugewinn der nationalen Literaturen durch Autoren mit einem anderen muttersprachlichen Hintergrund nicht nur für Deutschland gilt. Den öffentlichen Veranstaltungen gingen wieder Autorengespräche in den philologischen Seminaren der CAU voran, was auch dem eröffnenden vielsprachigen Lesefest einen sehr guten studentischen Zuspruch eintrug.

Der Literatursommer Dänemark

Aus Anlass des 20. Jubiläums des Literatursommers und des 60. Jahrestags der “Bonn-Kopenhagener-Erklärung zu den Minderheiten” präsentierte die Reihe die faszettenreiche Literatur des Nachbarlandes Dänemark. In Kooperation mit etwa 30 Partnern im Land und mit Unterstützung des Danish Art Found, des Dänischen Honorarkonsulats in Kiel sowie mehrerer weiterer Sponsoren gelang es, einen ausgezeichneten, vor allem in der Landeshauptstadt weit überdurchschnittlich besuchten, vielfältigen und sehr umfangreichen Sommer zu realisieren. Zu den Gästen zählten neben den dänischen Autoren Hanne-Vibeke Holst, Anna Grue, Kim Leine, Claus Høxbroe zusammen mit dem Pianisten Oscar Gilbert und Peter Adolphsen auch Hannelore Hoger mit einem Rezitationsprogramm zu Tania Blixen und H.C. Andersen Die Eröffnung des Sommers im Kongelig Dansk Honorært Konsulat in Kiel war ein großer Erfolg, zog mit mehr als 250 Besuchern viel Aufmerksamkeit auf die Lesereihe und gab den Startschuss für ereignisreiche sechs Wochen.

Die Schriftenreihe Littera borealis, die das Literaturhaus gemeinsam mit dem Nordkolleg und der Sparkassenstiftung produziert, musste im Jahr 2015 aussetzen. Dafür war das Literaturhaus mit Arbeiten an der Anthologie „Neue Prosa aus Schleswig-Holstein“, beschäftigt, in der ausgewählte Einsendungen für den Kulturpreis des Rotary Clubs Mittelholstein versammelt sind (erscheint im Januar 2016).

Junges Literaturhaus

Das Junge Literaturhaus hat sich nach dem starken, finanziell bedingten Einschnitt der Projektangebote in 2012 fast wieder vollständig konsolidiert und seine frühere Attraktivität wieder gewonnen. Die Vorlesevormittage für Kindergärten und -tagesstätten in Kiel, die dank des Engagements ehrenamtlicher Vorlesepatinnen des Freundeskreises Literaturhaus SH angeboten werden können, werden weiter sehr gut angenommen und haben allein 2015 etwa 300 Vorschulkindern zu einem Besuch des Literaturhauses verholfen. Unverändert hoch sind auch Niveau und Resonanz für die Reihe der LeseLounges, in deren Organisation auch mehrere Studierende eingebunden sind und die an 5 Abenden 10 junge AutorInnen zu Gast hatten, diesmal ausnahmslos literarische Debütanten.

Unverändert und unvermindert erfolgreich lief auch das seit 2010 laufende Slam Poetry Kooperationsprojekt mit dem Centre Culturel Franco-Allemand de Nantes und dem Institut Français in Kiel ab. Mit zwei Gästen aus Nantes konnten 2015 drei öffentliche Veranstaltungen französischer Slampoeten sowie vier Workshops für französisch lernende Schüler in schleswig-holsteinischen Schulen anboten werden. Zu dieser an den Schulen selbst durchgeführten Werkstattarbeit kam im Literaturhaus die langjährig eingeführte Reihe „Texte unter der Lupe“ (9 Veranstaltungen im Literaturhaus und eine öffentliche Präsentation in der Hansa48 in Kiel), die unter der neuen Leitung von Christopher Ecker neu aufblühte. Bis zu 16 Schüler haben sich zu den literarischen Nachmittagen versammelt.

Besonders erfreulich ist der erfolgreich und gut besuchte Neubeginn für ein früheres Projekt. Die „Leseratten“ sind seit Herbst wieder da, lesen Neuerscheinungen aus dem Kinder- und Jugendbereich, schreiben ihre Rezensionen dazu und haben sich einen Internetblog geschaffen, um ihnen Öffentlichkeit zu geben. Für Frühjahr 2016 ist auch wieder eine gedruckte Ausgabe der Lesetipps geplant.

Gremienarbeit

Eine unverändert wichtige und arbeitsintensive Serviceleistung für die Literatur im Land leistet das Literaturhaus durch seine Mitarbeit in verschiedensten Gremien. In Person des Geschäftsführers ist es vertreten In der Arbeitsgemeinschaft der Literaturräte in der Bundesrepublik Deutschland, für die das Literaturhaus auch die Sprecherfunktion hat

• in der Deutschen Literaturkonferenz, die als Sektion Literatur im Deutschen Kulturrat fungiert

• im Beirat des Bibliothekenverbandes Schleswig-Holstein

• im Beirat des Landeskulturverbandes Schleswig-Holstein


Rückblick Literaturhaus 2015

Zahlen zu den Projekten

Besucher

Das Literaturhaus hat 2015 mit der Durchführung von oder Beteiligung an 155 Veranstaltungsangeboten für Erwachsene und Jugendliche insgesamt knapp 7.200 interessierte Besucher in Schleswig-Holstein erreicht. Daraus ergibt sich ein rechnerischer Durchschnitt von 46,2 Besuchern pro Veranstaltung (2014: 139 / 6.700 / 48,2).

Dieses zum Vorjahr fast identische Ergebnis bei erhöhter Angebotszahl zeigt differenziert nach Lesungsveranstaltungen ohne Teilnehmerbegrenzung und Werkstattarbeit sowie Vorlesestunden mit solcher v.a. im Jungen Literaturhaus Unterschiede. Die 65 Lesungsveranstaltungen, die eigenständig bzw. in Kooperation und großteils im Literaturhaus in Kiel durchgeführt wurden, fanden mit 3.850 Besuchern und einem Durchschnitt von gut 59 Besuchern eine schlechtere Resonanz als im Vorjahr (2014: 53/3.700/69) Die Resonanz auf die weiteren 49 vom Haus unterstützten Lesungsveranstaltungen im ganzen Land bzw. literarischen Gastveranstaltungen im Kieler Haus blieb hingegen fast gleich hoch bei zusammen 2.500 Besuchern und einem Durchschnitt von 51 (2014: 43 / 2.300 / 53). Leicht erhöht werden konnte 2015 die Zahl der Angebote zum Vorlesen, zur Textarbeit und zu Autorengesprächen, die bei 41 Terminen gut 900 Kinder, Schüler und Studierende erreichten (2014: 35 / knapp 900). Die Vergleichszahlen für die beiden Jahre haben hier nur geringe Aussagekraft, da sie etwa schon durch einzelne schwach besuchte Veranstaltungen oder im Jungen Literaturhaus krankheitsbedingte Absagen von Vorlesevormittagen zu erklären sind. Auffallend aber ist der leichte Rückgang des Besucherdurchschnitts bei den Abendlesungen, der vor allem einem sehr schwachen Spätherbst geschuldet ist. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Tendenz, die wir im Zusammenhang mit den beherrschenden gesellschaftlichen Themen Flucht und Terror sehen, 2016 weiter geltend macht.

Einige herausragende Besucherereignisse sind für das Literaturhaus in Kiel hervorzuheben. Die meisten Besucher lockten 2015 der dänische Sommer mit der Eröffnung in der Förde Sparkasse (250), dem Sommerfest im Alten Botanischen Garten (170) und der Lesung von Hannelore Hoger (270) sowie die Eröffnung des Debütromanfestivals (ca. 150). Hinzu kamen eine Reihe ausgebuchter bzw. fast ausgebuchter Veranstaltungen mit Carsten Jensen, Hubertus Meyer-Burckhardt, Ralf Rothmann. Peter Esterhazy, dem lyrischen Doppel Heinrich Detering & Arne Rautenberg, Nino Haratischwili, der LeseLounge mit Florian Wacker & Maruan Paschen sowie der Jubiläumsveranstaltung zum 25 Geburtstag des Literaturhausvereins. Freilich waren auch einige unerwartet enttäuschend besuchte Veranstaltungen zu verzeichnen, vor allem die der Liliencrondozentur mit Monika Rinck und der Liliencronexperten Joachim Kalka und Joachim Kersten im November bzw. Dezember. Sehr erfreulich war demgegenüber das große Interesse an einigen Gastveranstaltungen des Frühjahrs im Literaturhaus, den erstmals durchgeführten Kieler Märchentagen im November, der Vortragslesung von Jürgen Trittin und der französischen Kieler-Woche-Lesung mit Bernard Friot.

Finanzen

Aus finanzieller Sicht hat in den verschiedenen Projektbereichen das Mischmodell von öffentlichen Fördermitteln, Drittmitteln (gesponserte Serviceveranstaltungen, Einzelsponsoren und -förderer, Anteilsleistungen von Kooperationspartnern) sowie Eigenmitteln aus Eintritten weiter so gut funktioniert, das zum Ende des Jahres hin die Null stand, obwohl im Gesamtergebnis das Niveau des Vorjahres deutlich übertroffen wurde. In Zahlen lag der Etat für alle Projekte bei 125.000 Euro (2014:101.000). Der Anteil sämtlicher Landesmittel stieg aufgrund der Anschubförderung für ein im Aufbau befindliches neues Projekt auf 48.000 (2014: 40.000). Als Dritt- und Eigenmittel konnten mithin 77.000 Euro generiert werden (2014: 58.000), eine Steigerung, die v.a. auch mit der hervorragenden Einnahmesituation und externen Förderung des Literatursommers zu erklären ist.

Für den Projekthaushalt schufen neben dem festen Landesbudget die vertragliche Absicherung der Partnerschaft für das Junge Literaturhaus mit der Investitionsbank Schleswig-Holstein, das Engagement der ausländischen Literaturinstitutionen beim 13. Europäischen Festival des Debütromans und der Sponsoren beim Literatursommer den Grund. Erhöhte Einnahmen aus Eintritten (2015: 16.500 vor Steuerabzug gegenüber 2014: 12.700), viele kleinere Beiträge zu Einzelveranstaltungen von Kooperationspartnern und die kontinuierliche finanzielle Unterstützung durch den Freundeskreis des Literaturhauses füllten das auf. Herauszuheben ist auch für 2015 wieder das persönliche Engagement von Mitgliedern des Freundeskreises des Literaturhauses im Veranstaltungsservice, das aufgrund der erhöhten Kosten für bezahlte Aushilfen (Mindestlohnbindung) in einer geldwerten Rechnung mit ca. 5.000 Euro zu veranschlagen ist.

Ausblick auf das Jahr 2016

Allgemeines Jahresprogramm im Kieler Haus

Der Schwerpunkt für die ersten drei Monate des LH-Programms liegt auf der erzählenden deutschsprachigen Prosa, geprägt von den Herbstprogrammen der Verlage. Drei Autoren, die auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises zu finden waren, Buchpreisgewinner Frank Witzel, Jenny Erpenbeck und Ulrich Peltzer, dazu zwei Autoren, die aus Sicht des Literaturhauses sehr gut darauf hätten erscheinen können, Judith Kuckart und Alban Nikolai Herbst, kommen als Gäste. Neben der hohen literarischen Qualität und dem Formbewusstsein verbindet diese neuen Romane und ihre Autoren auch, dass man sie in unterschiedlicher Weise seismographisch für aktuelle Problemstellungen unserer Gesellschaft lesen kann.

Kuckart spielt in dem Erzählreigen ihres „Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück“ das Akzidentielle in den Beziehungen und Sehnsüchten heutiger Individuen auf wundersam einfühlsame Weise durch. Herbst findet in seinem „Traumschiff“ eine Allegorie für die verschütteten Sehnsüchte und das Leben mit der Vergänglichkeit in einer alternden Gesellschaft. Witzel mit der „Erfindung der RAF ...“ und in anderer Weise Peltzer mit „Das bessere Leben“ zeugen von der dringenden Notwendigkeit, sich mit der eigenen bundesrepublikanischen Geschichte und Identität auseinanderzusetzen, und Erpenbeck ist in „Gehen, ging, gegangen“ unmittelbar am Puls der Zeit, der mit der Ankunft der Flüchtlinge in unserer scheinbar heilen Gesellschaft schlägt. Aber wenn man es genau nimmt, geht es ja in allen diesen Romanhandlungen um Fluchtbewegungen, ziellose und zielgerichtete, auf der Suche nach Orientierung. Und auch der zweite Roman von Vea Kaiser, Lesegast im Februar, schlägt das Thema Migration in einer nur vergangen geglaubten Variante an: „Makarionisse“ erzählt die Geschichte griechischer Auswanderer von den 50er Jahren bis in die Gegenwart. Einzelne dieser Veranstaltungen finden nicht nur im Literaturhaus in Kiel, sondern auch andernorts in Schleswig-Holstein statt. So liest Alban Nikolai Herbst auch am 21.1. im Nordkolleg Rendsburg und am 25.1. in Lübeck im Buddenbrookhaus (Literatur Nord). Und Vea Kaiser ist am 16.2. um 20 Uhr in Eutin im Filmtheater Binchen zu Gast.

Dazu finden sich im Frühjahrsprogramm mit Jochen Missfeldt, Bärbel Reetz und Christopher Ecker drei Schleswig-Holstein eng verbundene Autoren, erster mit seiner Sylterzählung „Wiedergänger“, die zur Eröffnung einer Ausstellung von Graphiken Friedel Andersens zu hören ist. Reetz anlässlich des 100-jährigen Geburtstags des Züricher „Cabaret Voltaire“ mit iherer Emmy Ball-Hennings und Hugo Ball-Biographie „Das Paradies war für uns“ und Ecker mit seinem im März erscheinenden neuen Roman „Der Bahnhof von Plön“. Als fremdsprachiger Autor ist Jean-Paul Didierlaurent zu Gast, der von der „Sehnsucht des Vorlesers“ erzählt, eines freilich ungewöhnlichen Vorlesers, und zum Jahrestag der Machtergreifung liest Jan Rosenbaum im Flandernbunker aus seinen Erinnerungen an den Vater und das jüdische Leben der Nachkriegszeit in Amsterdam: „Ausgerechnet bei diesem Wetter“. Schließlich bietet die 13. Ausgabe von NordText wieder Gelegenheit für neue Autoren aus dem Norden, sich an zwei Tagen über ihre eingereichten Manuskripte auszutauschen. Die fachkompetente Leitung des Gesprächs hat Wolfgang Hörner, Chef des Galiani Verlags.

Nach noch nicht fest definierten Lesungen von Ende März bis Mitte April, darunter sicher eine Präsentation der gerade erschienenen Anthologie „Neue Prosa aus Schleswig-Holstein“ und eine Lesung von Saša Stanišić aus seiner ersten Erzählsammlung „Fallensteller“, beginnen dann internationale Wochen im Literaturhaus. Nach dem Auftakt mit dem 14. „Europäischen Festival des Debütromans“ kommen mit dem internationalen Busreiseprojekt „CROWD“, das Schriftsteller aus sechs Ländern nach Kiel bringt, dem französischsprachigen algerischen Friedenspreisträger Boualem Sansal, der in „2084“ Orwell fortschreibt, dem jungen italienischen Autor Chicca Gagliardo, der Gast der Reihe LeggilO ist, und dem georgischen Schriftsteller Lasha Bugadze, der seine Erfahrungen mit einem CROWDverwandten Reiseprojekt für Schriftsteller in „Der Literaturexpress“ literarisch und satirisch verarbeitet hat.

Finanzielle Rahmenbedingungen

Nach Stand der Dinge ist das Literaturhaus für seine institutionelle Arbeit vonseiten des Landes SH und der Landeshauptstadt Kiel so gut ausgestattet wie im Vorjahr (s. dazu den Rückblick auf 2015). Allerdings laufen derzeit noch Verhandlungen mit dem Ministerium für Justiz, Kultur und Europa SH über den Abschlusses eines drei Jahre gültigen Vertrages für Kontraktförderung. An der Höhe der Fördermittel wird sich dadurch nichts ändern. Das Ziel ist es, für den Zuwendungsempfänger Bestandssicherheit für die drei Jahre und ein höheres Maß an Flexibilität bei der Verwendung der Mittel herzustellen. Der Abschluss des Kontrakts ist für Ende Februar in Aussicht gestellt.

Neben diesen öffentlichen Mitteln wird das Literaturhaus für seine Projekte wieder auf Eintritte und Nutzungsgebühren, Mittel von Dritten und ehrenamtliche Hilfe aus den Reihen des Freundeskreises setzen. Die Investitionsbank SH hat ihr ungebrochenes Engagement für das Junge Literaturhaus bereits zugesagt und im ersten Quartal stehen mit der Deutsch-Griechischen Gesellschaft (Vera Kaiser), dem Institut Français (Jean Paul Didierlaurent) und dem Flandernbunker (Jan Rosenbaum) die ersten Kooperenten bereits fest.


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