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Kiel: Literatursommer Dänemark eröffnet

Autor: Horst Schinzel am 02.08.2015

Literatursommer

(Von Horst Schinzel) - Seit zwanzig Jahren veranstaltet das Literaturhaus Schleswig-Holstein gemeinsam mit anderen Trägern einen Literatursommer mit Lesungen und anderen Veranstaltungen. In der Vergangenheit war dieser am jeweiligen Länderschwerpunkt des Musikfestivals ausgerichtet. Nachdem diese weggefallen sind, muss das Literaturhaus eigene Wege gehen. In diesem Jahr ist die hier kaum bekannte moderne Literatur des Nachbarlandes Dänemark Schwerpunkt. An diesem Mittwochabend wurde die Veranstaltungsreihe in der Kassenhalle der Fördesparkasse am Kleinen Kiel eröffnet. Dazu sagte Kultur-Staatssekretär Schmidt-Elsässer:

Foto Autorin Hanne-Vibeke Holst (links) und ihre Übersetzerin Sigrid Engeler

„20 Jahre ist der Literatursommer in Schleswig-Holstein nun alt, und ich freue mich ganz besonders, dass in diesem Jubiläumsjahr unser Nachbarland Dänemark im Mittelpunkt steht.“ Dänemark und Schleswig-Holstein verbinde eine lange und bewegte Geschichte, die viele Jahre von Kriegen, Verbrechen und Verletzungen geprägt gewesen sei, so Kulturstaatssekretär Schmidt-Elsaeßer: „Heute sind wir in unserer deutsch-dänischen Grenzregion gute Freunde geworden. Die Kultur spielt dabei eine wichtige Rolle. Das Gefühl, in dieser Region gemeinsame Wurzeln zu haben, miteinander verbunden zu sein und sich mit Verständnis, Respekt und Vertrauen zu begegnen, prägt dieses Miteinander.“

Zugleich begrüßte Kulturstaatssekretär Dr. Schmidt-Elsaeßer die Entscheidung der Organisatoren, die Länderschwerpunkte beizubehalten und an der „Gastland-Idee“ festzuhalten. „Der Literatursommer ist seit zwanzig Jahren eine Erfolgsgeschichte.“

Zahlreiche Orte und Denkmäler erinnern an die gemeinsame Geschichte und die kriegerischen Auseinandersetzungen Schleswig-Holsteins und Dänemarks. Mit den Bonn-Kopenhagener-Erklärungen und der wechselseitigen Anerkennung der Minderheiten gingen 1955 diese Auseinandersetzungen in eine Zeit des gesellschaftlichen Miteinanders und kulturellen Austauschs über. Das 60. Jubiläum dieser Erklärungen nimmt der Literatursommer in seinem 20. Jahr zum Anlass, die aktuelle Literatur des Nachbarlands zu präsentieren. Insgesamt sechs Lesereisen geben einen Einblick in die Vielfalt der dänischen Literatur. Die Stationen reichen von der Grenzregion Sønderjylland-Schleswig im Norden bis ins Herzogtum Lauenburg im Süden. Eröffnet wird der Literatursommer im lange Zeit dänisch regierten Kiel im heutigen Sitz des Königlich-Dänischen Honorarkonsulats am Mittwoch, 29. Juli um 19 Uhr im Haus der Förde Sparkasse in Kiel.

Zu Gast ist dort die dänische Schriftstellerin Hanne-Vibeke Holst. In ihrem Generationenroman berichtet sie von den deutsch-dänischen Beziehungen der 1940er Jahre, und spannt von dort ausgehend einen Erzählbogen, der bis in die Gegenwart reicht. Kim Leine hingegen macht in seinem historischen Werk „Ewigkeitsfjord“ das Leben in Grönland Ende des 18. Jahrhunderts mit allen Sinnen erfahrbar. Ganz die Gegenwart im Blick hat die Krimiautorin Anna Grue, deren Reihe um den Privatermittler Dan Sommerdahl nicht nur spannend geschrieben ist, sondern zugleich ein aktuelles Panorama der Lebenswelt der dänischen Mittelklasse liefert. Die jüngere Schriftstellergeneration wird von Claus Høxbroe und Peter Adolphsen vertreten. Während der Beat-Poet Høxbroe das Experiment mit den verschiedenen Formen der Rezitation und Performance sucht, entdeckt Peter Adolphsen in seiner Erzählung „Das Herz des Urpferds“ die wissenschaftliche Sprache als poetische Quelle für sich.

Das Programm der Autorenlesungen ergänzt ein Rezitations- und Vortragsprogramm. Hannelore Hoger, eine der prominentesten deutschen Schauspielerinnen, liest eine Erzählung von Tania Blixen und Märchen von Hans Christian Andersen. Dem bedeutenden dänischen Vertreter des literarischen Impressionismus', Herman Bang, gehen zwei andere Beiträge auf die Spur. Zum Einen stellt Katja Bethke-Prange in einem Vortrag seinen besonderen Schreibstil als Inspirationsquelle für Thomas Mann heraus. Zum Anderen beleuchtet Stephan M. Schröder anhand des Stummfilms „Die vier Teufel“, nach Herman Bang, die Beziehungen von Literatur und Stummfilm


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